Stellungnahme des Deutschen Netzwerkes Advanced Practice Nursing & Advanced Nursing Practice g.e.V. (DN APN & ANP g.e.V.) zur Stilllegung der pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch – Theologischen Hochschule in Vallendar (PTHV)

Veröffentlicht von Matthias Prommersberger am

Das DN APN & ANP g.e.V. drückt sein großes Bedauern darüber aus, dass die einzige, international bekannte und anerkannte pflegewissenschaftliche Fakultät Deutschlands aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird.

Das DN APN & ANP g.e.V. verfolgt das Ziel, die Vernetzung von international definierten Advanced Practice Nurses (APNs) zu fördern und das Verständnis von Advanced Practice Nursing (APN) & Advanced Nursing Practice (ANP) im deutschsprachigen Raum zu unterstützen.

Wir als deutschsprachiges Netzwerk fördern die Etablierung von Advanced Practice Nurses, eine akademisch ausgebildete Pflegeexpert*in mit grundständigen Masterabschluss. APNs arbeiten überwiegend in der direkten Pflegepraxis. Sie verbinden auf diese Weise pflegewissenschaftliche Erkenntnisse mit der Pflegepraxis und gestalten aktiv evidenzbasierte Pflege in allen pflegerischen Settings.

Zur Ausbildung von APNs sind die Pflegestudiengänge notwendig, die bis dato an der pflegewissenschaftlichen Fakultät der PTHV gelehrt werden.

Gerade die derzeitige Pandemie macht deutlich, warum das deutsche Gesundheitssystem APNs in Krankenhäusern, Langzeitpflegeeinrichtungen und allen anderen Settings der Gesundheitsversorgung braucht. APNs verfügen über Kompetenzen, die aktuell und zukünftig immer weiter gefordert sind, wie z.B. die Fähigkeit zur Entwicklung und Einführung neuer Konzepte, Flexibilität in sich ständig verändernden Situationen und Rahmenbedingungen sowie eine erweiterte Handlungsautonomie in der Pflegepraxis.

Insbesondere die Einrichtungen der stationären Langzeitpflege waren vor die Herausforderung gestellt, den Schutz der pflegebedürftigen Menschen zu gewährleiten. Dadurch ergaben sich äußerst belastende Situationen für die alten und pflegebedürftigen Menschen, ihren Angehörigen, aber auch alle an der Pflege und Begleitung Beteiligten. Besuchsverbote, mangelnde Teilhabe und oft nicht umfassende Symptomlinderung sind Folgen der ersten pandemischen Wellen. Zukünftig können solche Situationen nur mit den entsprechenden Strukturen, Rahmenbedingungen und mit einem Qualifikationsmix mit APNs bewältigt werden, um Handlungssicherheit in der Begleitung der alten und pflegebedürftigen Menschen zu gewährleisten und die Belastung aller an der Pflege und Begleitung Beteiligten zu reduzieren.

Auch die hochkomplexe intensivpflegerische Versorgung zeigt nicht nur seit Pandemiebeginn, dass es notwendig ist jederzeit schnell und zielsicher auf aktuelle Veränderungen in der Patientensituation zu reagieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, benötigen wir in Deutschland masterqualifizierte Spezialist*innen in autonom erweiterten Handlungsfeldern mit pflegewissenschaftlichem Hintergrund in der Intensivpflege. Besonders in hochspezialisierten Bereichen wie zum Beispiel der pädiatrischen Intensivpflege und der Neonatologie ergeben sich im pflegerischen Alltag immer wieder Fragestellungen zur optimalen pflegerischen Versorgung.

Die psychiatrische Pflege ist ebenfalls als bedeutender Wirkkreis von APNs zu betrachten und sichert die Umsetzung von pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen in die direkte Versorgung dieser Patienten- und Klientengruppe. Während der Pandemie mussten sowohl in der stationären als auch in der ambulanten psychiatrischen Versorgung neue pflegerische Angebote für die Patient*innen entwickelt und umgesetzt werden. Hier leisten APNs einen entscheidenden Beitrag. Sie machen die Versorgungslücken sichtbar und entwickeln entsprechende Angebote.

International nehmen APNs als Nurse Practitioner oder als Community Health Nurses in der Versorgung von vulnerablen, hilfsbedürftigen Menschen in (ländlichen) Gebieten oder in der Sicherstellung einer gesundheitlichen Grundversorgung eine zentrale Position ein. Die Einführung des Studiengangs Community Health Nursing an der PTHV bedeutet hier eine entscheidende Lücke in der Versorgung der Bevölkerung zu schließen.

Vor diesen Hintergründen fordern wir als deutschsprachiges Netzwerk für Advanced Practice Nursing und Advanced Nursing Practice den Fortbestand aller Pflegestudiengänge der PTHV!

Wir fordern von den Verantwortlichen, geeignete Finanzierungslösungen zu finden, um als pflegewissenschaftliche Fakultät in letzter Konsequenz eine qualifizierte Patientenversorgung und eine evidenzbasierte Orientierung der Profession mitsichern zu können.

Syke, 25.04.2021
Der Vorstand des Deutschen Netzwerkes Advanced Practice Nursing und Advanced Nursing Practice g.e.V. (DN APN & ANP g.e.V.)
Sonja Freyer, M. Sc., Vorstand, Präsidentin
Anne Schmitt, M. Sc., Vorstand, Vizepräsidentin, Präsidentin AFG Paediatric Nursing and Caring
Sabrina Pelz, M. Sc., Vorstand, internationale Koordinatorin, Präsidentin rAFG Nord
Matthias, Prommersberger, M. Sc., Vorstand, Medienkoordinator
Anne Volmering – Dierkes, M. Sc., Vorstand, Schatzmeisterin
Christine Boldt, Prof., Präsidentin rAFG Süd
Christa Keienburg M. Sc., Präsidentin AFG Critical Care
Elke Keinath, M. Sc., Mitglied AFG International
Katrin Thissen, M. Sc., Präsidentin AFG Mental Health Care

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